Der Herkunftsschutz für französische Käsespezialitäten

Für landwirtschaftlich hergestellte Produkte gibt es in der Europäischen Union unterschiedliche Qualitätssiegel. Sie dienen dem Erhalt von lokalen Traditionen und verhindern den Missbrauch von geschützten Produktbezeichnungen und damit die Irreführung von Verbrauchern. Ein gutes Beispiel ist der Brie oder Camembert aus dem Supermarkt, der sowohl in Bezug auf seine Herstellung als auch in Bezug auf seinen Geschmack nur wenig mit dem ursprünglichen Brie de Meaux AOP oder Camembert de Normandie AOP gemeinsam hat. Und daran ist auch nichts auszusetzen, solange der Unterschied klar gekennzeichnet ist.

Wenn eine Käsespezialität kein Siegel trägt, muss dies aber nicht notwendigerweise ein Indiz für geringe Qualität sein. So gibt es Käsesorten, die generell nicht geschützt sind, etwa neue Produkte. Oder ein Käsebauer hat sich bewusst entschieden, von den Kriterien des Herkunftsschutz abzuweichen, um eine andere Form oder Qualität zu erzielen.

Um sich einen Überblick über französische Käsespezialitäten zu verschaffen, sind zunächst drei Herkunftssiegel relevant:

Herkunftsschutz AOP

Das AOP-Siegel (Appellation d’Origine Protégée) stellt umfassende Anforderungen an Ursprungsregion und traditionelle Herstellung. Es basiert auf EU-weit festgelegten Kriterien zur geschützten Herkunftsbezeichnung. Damit ein französischer Käse das AOP-Siegel erhält, muss er alle Kriterien des französischen AOC-Siegels erfüllen und zusätzlich zur Gruppe der EU-weit geschützten Produkte gehören. Das AOP-Siegel wurde 2009 in Frankreich eingeführt und hat das AOC-Siegel zu großen Teilen ersetzt.

Herkunftsschutz IGP

Das IGP-Siegel stellt ebenso Anforderungen an die Ursprungsregion und Herstellung und basiert auf EU-weit festlegten Kriterien zum Herkunftsschutz. Im Vergleich zum AOP-Siegel erlaubt es dem Hersteller allerdings größere Freiheiten in Bezug auf den Herstellungsprozess.

Herkunftsschutz AOC

Das AOC-Siegel (Appellation d’Origine Contrôlée)hat seit der EU-weiten Harmonisierung des Herkunftsschutzes an Visibilität verloren. Die hier festgelegten Anforderungen an landwirtschaftliche Produkte wurden aber zu großen Teilen übernommen. Das Regelwerk bestimmt nicht nur den geographischen Raum, in dem die Milchtiere weiden dürfen, sowie deren Rasse, sondern auch die Bewahrung traditioneller Herstellungsweisen von der Milchbehandlung, über den Einsatz von Handarbeit bis hin zur Reifedauer.

Außerdem gibt es vier Kategorien, die detaillierte Auskunft über die Milchherkunft und den Einsatz von Handarbeit geben:

Fermier

Fermier-Käse darf ausschließlich auf dem Bauernhof von der Rohmilch der hofeigenen Tiere hergestellt werden. Tierhaltung und Ernährung spiegeln sich also ungetrübt im späteren Geschmack wider.

Artisanal

Artisanal-Käse wird ebenso auf dem Bauernhof in traditioneller Handarbeit herstellt. Allerdings darf der Landwirt und Käsebauer zusätzlich zur Milch der hofeigenen Tiere auch Milch von anderen Höfen zukaufen.

Laitier

Laitier-Käse wird in traditioneller Handarbeit in einer Molkerei hergestellt. Die Milch stammt von Bauernhöfen in der Umgebung, die meist nach strengen Qualitätskriterien ausgesucht wurden.

Industriel

Industriel-Käse kann in mehreren Molkereibetrieben nach industriellen Methoden hergestellt werden. Auch die Milch kommt oft aus einem größeren Einzugskreis.